Brief an Kompliz:innen und Organisationen

Hier ein vom Kollektiv verfasster Brief, der gern zur Mobilisierung und Verbreitung genutzt werden kann. Er enthält Gründe wieso wir am 14. Juni streiken, Möglichkeiten wie Personen mitmachen können und das Programm am 14. Juni 2021.

Liebe aufgewühlte, kämpfende, sorgende, fragende und streikende Kompliz:innen,

Vor genau zwei Jahren, im Frühling 2019, hat es gebrodelt in uns, um uns herum, überall! Streiks und vielfältige Aktionen und Veranstaltungen waren in Planung. Alle haben wir uns Grosses gewünscht, noch Grösseres erhofft und waren unglaublich befeuert von der überwältigenden Teilnahme von Frauen, Lesben, inter, nonbinären, trans, agender und genderqueeren (FLINTAQ+) Menschen, die alle sagten: So nicht mit uns!

gezeichnet: türkise hand die ein Feuerzeig betätigt. es hat eine violette Flamme und auf dem Feuerzeig steht halb verdeckt von der Hand "feuer" und "Patriarchat" das Feuerzeig hat eine bunte Perlenkette

Gegen Unterdrückung, Ungleichbehandlung, Benachteiligung und Belästigung wurden unzählige starke Aktionen auf die Strasse getragen. Die Forderung war klar und deutlich: Wir wollen frei sein! Wir wollen sicher sein! Wir wollen selbst entscheiden! Wir wollen gute Arbeitsbedingungen! Wir wollen Anerkennung unserer Arbeit – auch der Unbezahlten! Und die Welt, die wir uns wünschen, werden wir uns erkämpfen und erschaffen! Gemeinsam!

Nun, zwei Jahre und eine Pandemie später fragen wir uns: Wo wurden und werden wir gehört? Und wo schaut man(n) weg? Die Ernüchterung ist gross:

  • Gesetze zum Schutz vor Gewalt werden trotz steigenden Zahlen verwässert statt gestärkt.
  • Der Schutz vor Armut durch den Verlust der Arbeit während der Pandemie ist besonders für Menschen in schlecht bezahlten Jobs ungenügend.
  • Der Gesundheitsschutz in Unterkünften für geflüchtete Menschen ist nach wie vor katastrophal.
  • Unser Rentenalter soll erhöht werden, während die Renten weiterhin mindestens einen Drittel kleiner bleiben als diejenigen der Männer.
  • Sorge-, Pflege- und Betreuungsarbeit wird weder mit besseren Arbeitsbedingungen noch finanziell aufgewertet und anerkannt.
  • FLINTAQ+ Personen – insbesondere solche mit illegalisiertem Aufenthaltsstatus – werden durch die öffentlichen Institutionen nicht genug geschützt und unterstützt, obwohl bekannt ist, dass wir es sind, die an erster Stelle unter den Konsequenzen der Pandemie leiden.

Es ist an der Zeit, dass wir deutlich machen, dass wir uns nicht mehr zurückziehen, dass wir uns nicht abspeisen lassen mit schwurbligen Versprechen und verwässerten Antworten und dass wir unsere Forderungen umso lauter in die Öffentlichkeit tragen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse müssen sich ändern!

Deshalb ruft das feministische Streikkollektiv / Frauen:streikkollektiv Zürich am 14. Juni 2021 zum Streik auf. Das Thema des Streiktages ist bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit. Care-Arbeit ist die Sorge-, Betreuungs- und Pflegearbeit, die überwiegend von FLINTAQ+ Menschen verrichtet wird und welche genau deshalb oft unbezahlt oder unterbezahlt ist. Alle FLINTAQ+ Menschen sind aufgerufen sich vielfältig am Streiktag zu beteiligen.

Folgend ein paar Mitmach-Möglichkeiten:

gezeichnet, eine Person mit locken udn violettem Kapuzenjäckchen hat eine person mit türkisen braids im Arm

1. Du und deine Kompliz:innen oder deine Organisation möchte eine Aktion / einen Beitrag / eine Rede auf die Bühne tragen. Melde uns Name(n), Organisation, Art des Beitrages, Dauer des Beitrages, gewünschte Zeit und Ort. Wir können nicht versprechen, dass wir allen Wünschen entsprechen können. Wir sammeln zuerst alle Beiträge und werden uns anschliessend mit einem Vorschlag Anfang Juni bei dir melden, um Zeit, Ort, Technik etc. definitiv zu koordinieren.

Zeitliche und örtliche Möglichkeiten:

  • Am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr auf dem Ni-Una-Menos-Platz (ehemals Helvetiaplatz): Reden, Chor, Performance etc…
  • Während der Demo ca. 18 bis 20 Uhr (Status: Bewilligung eingereicht): Reden auf dem fahrenden Wagen (Reden max. 3 Min.).
  • Hast du und deine Kompliz:innen ein eigenes Soundsystem, dass du an die Demo mitbringen kannst für Reden, Beiträge, Musik, Parolen etc.? Super toll! Unbedingt bringen und gerne bei uns melden, damit wir die Soundsysteme koordinieren und für die Hauptreden vielleicht verbinden könnten.
  • An der Abschlusskundgebung auf dem Ni-Una-Menos-Platz ca. 20Uhr (ehemals Helvetiaplatz) (Reden max. 5 Min)

Anmeldung Beiträge und Soundsysteme an: info@feministischerstreikzuerich.ch             

2. Du und deine Kompliz:innen oder deine Organisation plant eine Aktion. Trage sie unter folgendem Link in das Formular ein, damit deine Aktion in der Agenda des 14. Juni 2021 erscheint:

3. Du und deine Kompliz:innen oder deine Organisation möchten am 14. Juni Infomaterial auflegen am Infostand auf dem Ni-Una-Menos-Platz. Bringe Flyer, Broschüren, Buttons, Poster und anderes Infomaterial bis am 12. Juni ins Streikhaus (angeschrieben ins Streikbüro, 1. Stock) oder am 14. Juni ab 12 Uhr direkt zum Ni-Una-Menos-Platz (ehemals Helvetiaplatz).

4. Du und deine Kompliz:innen möchten sich mit Gleichgesinnten vernetzen oder sich einer bestehenden Arbeitsgruppe anschliessen. Folgend die nächsten Daten. Du und deine Kompliz:innen sind herzlich eingeladen, keine Anmeldung nötig. Corona-Massnahmen werden eingehalten.

  • Vernetzungstreffen feministisches Streikkollektiv:
    Samstag 5. Juni 2021 von 14 bis 17 Uhr | Streikhausgarten | Sihlquai 115 Zürich | Bei schlechtem Wetter online | Link wird verschickt nach Anmeldung an: info@feministischerstreikzuerich.ch
  • Streikkafi:
    Jeden Freitag von 15 bis 19 Uhr | Streikhaus | Sihlquai 115. Hier könnt ihr euch informieren über den 14. Juni und allgemeiner über das feministische Streikkollektiv und das Streikhaus. Es gibt tolles Mobilisierungs-Material und diverse Anschlussmöglichkeiten. Zudem gibt es jeden Freitag ein Special: Anti-Rep Kafi, Transpi-Malen, Verschönerungsaktionen etc. Komm vorbei!

Programm für den 14. Juni 2021 | Zürich:

7. Juni 2021 um 15.19 Uhr | Warnstreik AHV21

15:19 Uhr: «Rentenreform bachab schicken! Feierabendbier an der Limmat».

Am 9. Juli diskutiert der Nationalrat die AHV21-Vorlage. Ein Reform-Versuch, der einmal mehr die Ungleichheit der Renten nicht im Visier hat. Das Frauenalter soll erhöht werden, ohne dass Massnahmen ergriffen werden, die mit der ungerechten Rentenungleichheit aufräumen. Nicht mit uns! Als Warnung streiken wir ab 15.19 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt arbeiten wir jeden Tag unbezahlt, so hoch ist der Lohnunterschied immer noch. Wir machen verlängerte Pausen an der Arbeit, hängen Plakate und Transparente aus dem Fenster, mache Lärm, tragen Buttons oder bezeichnende T-Shirts oder setzen uns an die Limmat mit Kompliz:innen, um die Rentenreform bachab zu schicken.

14. Juni 2021 ganzer Tag | Feministischer Streik | Gemeinsame Momente

11 Uhr: Care-Pause! Gemeinsame verlängerte Pause, am Arbeitsort, zuhause oder auf der Strasse.

15.19 Uhr: Lohngleichheit JETZT! Ab dieser Zeit arbeiten statistisch als Frauen erfasste Personen gratis. Deshalb machen wir gemeinsam Lärm. Aus dem Fenster, auf der Strasse, am Arbeitsort oder gemeinsam auf dem Ni-Una-Menos-Platz (ehemals Helvetiaplatz) Zürich.

18 Uhr: Demo! Umzug und Kundgebung. Status: Bewilligung eingereicht

Das Programm und weitere Informationen online:

NEU: Newsletter vom feministischen Streikkollektiv / Frauen:streikkollektiv:

Informiert bleiben:

Nehmen wir uns auch dieses Jahr den Raum, der uns zusteht und machen unsere Forderungen sichtbar. Schutzkonzepte sind selbstverständlich Teil all unserer Aktionsformen. An allen kollektiven Veranstaltungen gilt eine Maskenpflicht.

Mit solidarischen Grüssen und vereinten Kräften,
Eurer feministisches Streikkollektiv / Frauen:streikkollektiv Zürich

auf schwarzem Hintergrund eine durchscheinende Violette faust darüber und darunter steht in türkis "Streik 14.06."

PS: Wir freuen uns über Eure Spenden!
IBAN: CH66 0070 0114 8024 6515 5
Verein Frauen*streik
Josefstrasse 200
8005 Zürich