Schweizer Komplizenschaft beenden – Solidarität mit der kurdischen Freiheitsbewegung
Zürich, 23. Januar 2026
Wir, das Feministische Streikkollektiv Zürich, verurteilen die Angriffe auf die Demokratische Autonome Administration Nord- und Ostsyriens (Rojava) aufs Schärfste und rufen zur schweizweiten Demonstration am Samstag, 24. Januar 2026, um 14:00 Uhr auf dem Ni-Una-Menos-Platz in Zürich auf.
Angriff auf eine feministische Revolution
Seit 2012 existiert in Nord- und Ostsyrien die autonome Selbstverwaltung Rojava. Im mehrheitlich kurdischen Gebiet hat sich eine feministische, basisdemokratische und ökologische Alternative zum kapitalistischen System aufgebaut. Gleichzeitig haben die Selbstverteidungseinheiten von Rojava an führender Front gegen ISIS gekämpft – jene Kämpfer*innen, die der Westen einst als Partner feierte.
In den letzten Jahren wurde Rojava immer wieder von faschistischen und autoritären Kräften angegriffen, so auch jetzt. Seit dem 18. Januar 2026 führt die syrische Übergangsregierung unter Mohammed al-Jolani eine Grossoffensive gegen Rojava. Die Übergangsregierung, die die Einführung der Sharia in Syrien beabsichtigt, arbeitet eng mit ISIS und anderen dschihadistischen Gruppen zusammen und greift gemeinsam mit dem türkischen Autokraten Erdogan die geschlechtergerechte Selbstverwaltung an.
Berichte von Massakern an kurdischen Kämpfer*innen, insbesondere an Mitgliedern der Fraueneinheiten YPJ, erreichen uns täglich. Videos zeigen, wie Milizionäre unter „Allahu Akbar“-Rufen den Leichnam einer kurdischen Kämpferin aus einem Gebäude werfen. Geschlechtsspezifische Gewalt als Kriegswaffe. In Aleppo vertrieben die Regimetruppen bereits über 140’000 Menschen. In der Region Afrin werden seit zwei Tagen schwere Massaker an der Zivilbevölkerung verübt. IS-Gefangene werden systematisch befreit und beteiligen sich nun an den Angriffen. Die Kommunikation mit den angegriffenen Vierteln ist vollständig abgerissen.
Schweizer Komplizenschaft – Die Heuchelei muss aufhören
Die imperialistischen Mächte wie Deutschland, USA, Frankreich, aber auch die Schweiz, versuchen sich bei der syrischen Regierung um Abu Mohammad al-Jolani einzuschleimen. Sie erhoffen sich Zugang zu natürlichen Ressourcen und lukrative Waffen-Deals. Tatsächlich haben sich bereits Öl-Förderrechte in Nordostsyrien Firmen wie ConocoPhillips aus den USA, Dana Gas aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und weitere internationale Konzerne gesichert: Ein grossflächiger Ausverkauf der Ressourcen, die unter der Selbstverwaltung dem Wohl der Region dienten. Was hier geschieht, ist Teil einer Neuordnung des Nahen Ostens nach westlichen Interessen: Russland und Iran sollen zurückgedrängt werden, Handels- und Energierouten neu gestaltet, die Region im Interesse des westlichen Kapitals geformt werden. Rojava, das demokratische Projekt, das Frauen echte Mitbestimmung gibt, passt nicht in diese Pläne.
Wir dulden diese Heuchelei nicht. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen übergab kurz vor den Angriffen auf Aleppo ein Hilfspaket von 620 Millionen Euro an die Übergangsregierung. Schweizer Politiker*Innen hofieren in Syrien, um über Handelsabkommen zu verhandeln. Und obwohl eine Petition mit tausenden Unterschriften die Einreise al-Jolanis in die Schweiz zu verhindern versuchte, durfte dieser Kriegsverbrecher und ehemalige al-Qaida-Kämpfer am Weltwirtschaftsforum in Davos teilnehmen und wurde als legitimer Staatsmann empfangen. Das WEF, Symbol des globalen Kapitals auf Schweizer Boden, wurde zur Bühne für diese zynische Machtpolitik.
Die Schweiz stellt sich damit auf die Seite eines Regimes, das Kriegsverbrechen begeht, die Sharia einführen und Frauen ihre Rechte entziehen will, Minderheitenrechte mit Füssen tritt und zur Re-Organisierung des IS in Syrien beiträgt. Der Westen lässt jene im Stich, die an vorderster Front gegen ISIS gekämpft haben. Profite werden über Menschenleben gestellt, die gleiche kapitalistische Logik, die auch hier Aufrüstung vor soziale Sicherheit stellt.
Care-Arbeit wird zur Überlebensfrage
In Kriegs- und Krisengebieten wird Care-Arbeit zur stillen Überlebensfrage. Wenn Krankenhäuser bombardiert, Schulen zerstört und Familien auseinandergerissen werden, tragen FLINTA-Personen die Hauptlast, unter unmöglichen Bedingungen für ihre Gemeinschaften zu sorgen. Aus den angegriffenen Gebieten kommen immer mehr Flüchtende in die Orte, die weiterhin unter SDF-Kontrolle sind. Dort müssen Menschen in der Kälte draussen schlafen, die humanitäre Versorgung ist völlig unzureichend. Sanitäter*innen des Kurdischen Roten Halbmonds wurden entführt. FLINTA-Personen tragen dort die Hauptlast der Versorgungsarbeit, unter ständiger Bedrohung durch Genozid.
Wir rufen auf zur Internationalen Solidarität
Zeitgleich erheben sich weltweit tausende Menschen und verteidigen die Revolution in Rojava. Aus der ganzen Welt reisen Internationalist*innen nach Nord- und Ostsyrien, um sich am Kampf gegen die dschihadistischen Gruppen zu beteiligen. Aus den kurdischen Städten in der Türkei strömen Menschenmassen an die Grenzen, aus dem Nordirak fahren Konvois von Unterstützer*innen, und in unzähligen Städten Europas gehen Menschen auf die Strassen.
Die Verteidigung von Rojava ist für die Zukunft der Region, aber auch für die ganze Welt zentral. Denn mit dessen Verschwinden würde auch ein manifester Teil der Idee eines selbstverwalteten und emanzipatorischen Gesellschaftsprojekts verschwinden. In einer Zeit wie dieser müssen wir mit aller Kraft für den Erhalt solcher Ideen einstehen.
Jin, Jiyan, Azadî! – Frau, Leben, Freiheit!
Wir rufen zur Demonstration am Samstag, 24. Januar 2026, um 14:00 Uhr auf dem Ni-Una-Menos-Platz (ehemals Helvetiaplatz) in Zürich auf.
Biji Berxwedana Rojava! Es lebe der Widerstand Rojavas! Es lebe die internationale Solidarität!
Spendenmöglichkeiten: Kurdischer Rote Halbmond / Rotes Kreuz, Free Women’s Foundation of Syria, Kurdistanhilfe e.V. (IBAN DE40 2005 0550 1049 2227 04, Keyword: NOTHILFE), Medico international
Die Mediengruppe des Feministischen Streikkollektivs Zürich
Kontakt:
Feministisches Streikkollektiv Zürich
E-Mail: medien@feministischerstreikzuerich.ch
Website: feministischerstreikzuerich.ch

