Was ist Care-Arbeit?

Care-Arbeit bedeutet Sorgearbeit. Wir alle leisten sie. In der Lohnarbeit oder auch im privaten Umfeld: zum Beispiel Kinder aufziehen, sich um pflegebedürftige Menschen kümmern, oder ein offenes Ohr für befreundete Personen haben. Care-Arbeit orientiert sich an den menschlichen Bedürfnissen und erhält das körperliche, intellektuelle und emotionale Wohl der Menschen und somit alle unsere Lebensgrundlagen. Care-Arbeit stellt die Grundlage für das Funktionieren unserer Gesellschaft dar.
Care-Arbeit wird im patriarchalen System als “weiblich” gesehen und dadurch abgewertet. Sie wird schlechter bezahlt und bekommt weniger Anerkennung, obwohl sie wichtig ist und gelernt werden muss. Diese sogenannte feminisierte Arbeit wird zu einem Grossteil von Frauen, Lesben, inter, non-binären, trans und agender Personen (FLINTA Personen), aber auch Migrant*innen und anderen benachteiligten Gruppen geleistet. Dieses System funktioniert nur noch, weil (mehrfach) diskriminierte Menschen die Care-Arbeit ohne Anerkennung leisten.
Krise der Care-Arbeit
Care-Arbeit betrifft uns alle, denn alle Menschen sind abhängig von Care! Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Im Gegenteil: Prognosen zeigen, dass die Gesellschaft durchschnittlich älter wird und dadurch die benötigte Care-Arbeit zunehmen wird. Auch die durch die Klimaerwärmung ansteigenden humanitären Katastrophen werden mehr Care-Arbeit erfordern. Doch anstatt diese Arbeit als gesellschaftserhaltend anzuerkennen, basiert das kapitalistische System auf der Ausbeutung dieser Care-Arbeit durch schlechte Bezahlung, wenig Wertschätzung, und schlechte Arbeitsbedingungen.
Auch die parlamentarische Politik unterlässt es, angemessen auf den Notstand in der Care-Arbeit zu reagieren. Gerade wieder wurde unter dem Deckmantel der “Sparmassnahmen” die vom Stimmvolk so klar angenommene Pflegeinitiative entkräftet. Und noch schlimmer: Mit dem „Entlastungspaket 27“ könnten die Ausgaben im Sozialen noch einmal massiv gekürzt werden. Noch weniger Ressourcen in der Bildung und Gesundheitsversorgung bedeuten den endgültigen Kollaps der bezahlten Care-Arbeit.
Anstatt dass in funktionierende Sorgestrukturen investiert wird, werden Millionen von Franken in die Aufrüstung bzw. Rüstungsindustrie gesteckt. Die Bürgerlichen wollen uns so Sicherheit versprechen. Doch ihre Sicherheit meint Abschottung, Aufrüstung und Gefängnisse – den Schutz vor einem äusseren Feind. Strukturelle Gewalt und prekäre Lebensbedingungen bleiben dabei unangetastet. Unser Sicherheitsverständnis ist ein anderes: Es basiert auf Solidarität, Fürsorge und Selbstbestimmung. Sicherheit entsteht durch gute Lebensbedingungen – ohne Armut, mit einer guten Gesundheitsversorgung, guter Kinderbetreuung und Zeit füreinander. Für uns bedeutet Sicherheit: Ressourcen für Care-Arbeit. Denn Care-Arbeit sichert Leben.

Care-Arbeit im Kapitalismus

Doch das ist nur ein Ausdruck des zugrunde liegenden Problems: Care funktioniert nicht in der kapitalistischen Logik. Im Versuch, diese Arbeit effizienter zu machen, werden die Arbeitsbedingungen unvermeidbar prekärer. Die Care-Arbeitenden stehen immer stärker unter Stress und können die Arbeit nicht mehr in der gleichen Qualität ausführen. Care-Arbeit kann kaum optimiert werden, sie muss von Menschen geleistet werden und braucht Zeit.
Trotzdem braucht der Kapitalismus die Care-Arbeit, um zu existieren, und zwar möglichst günstig, bis unbezahlt. Dass unsere Ökonomie die Care-Arbeit komplett ausser Acht lässt, ist einer der zentralen Gründe, warum der Kapitalismus zum Scheitern verurteilt ist und kollabieren wird. Unsere Gesellschaft kann nur nachhaltig funktionieren, wenn wir in einer Wirtschaftsform leben, in der Care zentral ist, und die den Bedürfnissen der Menschen dient, anstatt Profit über das Leben zu stellen.
Und jetzt?
So kann es nicht mehr weitergehen.
Damit die Care-Arbeit endlich gehört und gesehen wird, und ihren Platz im Zentrum der Gesellschaft einnehmen kann, muss sie stillstehen. Am 14. Juni 2027 streiken wir.
Und zwar in allen Care-Bereichen: bezahlt & unbezahlt, Zuhause, in der Gesundheitsversorgung, in Schulen, in Kitas, Kindergärten oder schulergänzenden Betreuung, in der Reinigung, in der Sexarbeit, in Wohn- und Pflegezentren, Unterkünften und allen anderen Orten.
Wir wählen das Kampfmittel des Streiks, weil erst wenn wir uns kollektiv organisieren und unsere Arbeit gemeinsam niederlegen, Veränderungen am Kern des Systems möglich sind.
Wir sind das Fundament dieser Gesellschaft – und wir wollen selbst entscheiden, wie unsere Zukunft aussieht.
Durch den Care Streik 2027 wird endlich klar:
Ohne Care-Arbeit geht gar nichts!
Ohne uns steht alles still!

Care Streik 2027 – in einfacher Sprache
Care-Arbeit (Deutsch: Sorge-Arbeit) heisst: füreinander sorgen.
Care-Arbeit betrifft uns alle.
Wir alle leisten Care-Arbeit.
Care-Arbeit ist zum Beispiel:
Kinder betreuen.
Kranke oder alte Menschen pflegen.
Zuhören und füreinander da sein.
Care-Arbeit richtet sich nach den Bedürfnissen der Menschen.
Sie sorgt dafür, dass Menschen gesund bleiben.
Sie erhält unser körperliches, geistiges und emotionales Wohl.
Ohne Care-Arbeit kann unsere Gesellschaft nicht funktionieren.
So wie es jetzt ist, gilt Care-Arbeit als weibliche Arbeit.
Darum wird sie abgewertet.
Abgewertet heisst zum Beispiel:
Sie wird schlechter bezahlt.
Und sie bekommt wenig Anerkennung.
Das nennt man Feminisierung.
Dabei ist Care-Arbeit wichtig.
Und man muss sie lernen.
Care-Arbeit wird zum grossen Teil von FLINTA-Personen geleistet.
Also von Frauen, Lesben, inter, nicht-binären, trans und agender Personen.
Auch Migrant:innen und andere benachteiligte Gruppen leisten viel Care-Arbeit.
Diese Menschen müssen diese Arbeit machen.
Obwohl sie schlecht bezahlt ist.
Weil sie sonst arbeitslos wären.
Oder weil sie sonst keine andere Wahl haben.
Nur darum funktioniert das Gesellschafts-System heute noch.
Care-Arbeit betrifft alle Menschen.
Denn alle Menschen brauchen Care.
Das wird sich nicht ändern.
In Zukunft wird es sogar mehr Care-Arbeit brauchen.
Die Menschen werden immer älter.
Ausserdem gibt es mehr Krisen durch die Klima-Erwärmung.
Das bedeutet: Es braucht mehr Pflege, Betreuung und Unterstützung.
Trotzdem wird Care-Arbeit schlecht behandelt.
Unsere Wirtschaft nutzt Care-Arbeit aus.
Auch die Politik verhindert Verbesserungen.
Unter dem Vorwand von Spar-Massnahmen
wurde die Pflege-Initiative geschwächt.
Mit dem „Entlastungspaket 27“
sollen Ausgaben im Sozialen weiter gekürzt werden.
Weniger Geld für Bildung und Gesundheit
gefährdet die bezahlte Care-Arbeit.
Es droht ein Zusammenbruch.
Gleichzeitig geht viel Geld ins Militär.
Damit kauft es sich Waffen und vergrössert sich.
Die Bürgerlichen nennen das „Sicherheit“.
Doch diese Sicherheit meint Abschottung und Waffen.
Sie schützt vor einem angeblichen äusseren Feind.
Schwierige Lebens-Bedingungen bleiben bestehen.
Unser Verständnis von Sicherheit ist anders.
Sicherheit heisst für uns:
Keine Armut.
Gute Gesundheits-Versorgung.
Gute Kinder-Betreuung.
Zeit füreinander.
Sicherheit heisst: genug Geld und Zeit für Care-Arbeit.
Denn Care-Arbeit sichert Leben.
Das Grund-Problem ist grösser.
Heute muss alles schnell und billig gemacht werden.
Alles muss immer mehr Geld bringen.
So funktioniert Care-Arbeit nicht.
Weil sie Zeit braucht.
Und weil sie schlechter wird,
wenn alles schnell gehen muss.
Aber die heutige Gesellschaft ist auf Care-Arbeit angewiesen.
Und sie will sie so billig wie möglich.
Am liebsten unbezahlt.
Eine gerechte Gesellschaft braucht ein anderes System.
Ein System, in dem Care im Mittelpunkt steht.
Ein System, das allen Menschen dient.
Nicht nur den Reichen.
So kann es nicht weitergehen.
Damit Care-Arbeit gesehen und anerkannt wird,
muss sie stillstehen.
Am 14. Juni 2027 streiken wir.
In allen Bereichen der Care-Arbeit.
Bezahlt und unbezahlt.
Zu Hause und am Arbeits-Platz.
In Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung, Sex-Arbeit,
und überall sonst.
Denn ohne Care-Arbeit geht gar nichts.
Du hast Fragen zu Streiks und Arbeitskämpfen?
Care-Communiqué
Als Grundlage für die Kampagne zum Care Streik 2027 wurde ein Care-Communiqué geschrieben. Darin findest du eine theoretische Annäherung zur Krise in der Care-Arbeit und Stimmen von Care-Arbeiter*innen.

Aufruf
Wir sind eine grosse Bewegung und der Care Streik 2027 ist breit abgestützt. Um das zu zeigen, rufen wir alle Organisationen, Gruppen, Bündnisse und Kollektive auf, den Aufruf zum CARE STREIK 2027 zu unterzeichnen!
Deadline für die Unterzeichnung und das Einsenden von Statements ist der 19. April 2026.
Beiträge zum Thema Care
- Aufruf zum Care Streik 2027
- Care Streik 2027-Artikel im Vorwärts
- Redebeitrag zum Abschlussplenum Das Andere Davos
Streikung Zeitung
Forderungen

Wir sammeln DEINE Forderungen für den Care-Streik 2027!
Du willst mitmachen?
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