Was hat der Kampf um körperliche Selbstbestimmung mit dem Care Streik 2027 zu tun?

Am 19. September formieren sich in Oerlikon erneut rechte Kräfte und religiöse Fundamentalist:innen zum sogenannten «Marsch fürs Läbe». Unter dem Motto «Together for Life» protestieren sie gegen das Abtreibungsrecht, und damit gegen unser Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Im Fokus stehen dieses Jahr die Männer, die im Gespräch über die Schwangerschaft ihrer Partner:innen angeblich oft zu kurz kämen.

Was wie ein schlechter Witz klingt ist eine Bedrohung für uns alle – leisten wir gemeinsam Widerstand!

Doch was hat dieser Kampf um körperliche Selbstbestimmung mit dem Care Streik 2027 zu tun?

Abtreibungsverbote sind Zwang zur unbezahlten Care-Arbeit…

Ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen senkt nicht die Zahl der Abtreibungen, sondern führt dazu, dass sie unter prekären Umständen stattfinden. Dies zeigt sich deutlich in Ländern, in denen ein Abtreibungsverbot gilt.

Betroffene erhalten keine fachgerechte Betreuung und werden stattdessen in die Illegalität gedrängt. Sie sind gezwungen, sich lebensgefährlichen gesundheitlichen Risiken auszusetzen oder teure, zeitraubenden Wege ins Ausland auf sich zu nehmen. Mehrfachdiskriminierte und von Armut betroffene Personen bekommen diese Umstände noch stärker zu spüren.

Die Konsequenz eines Abtreibungsverbots ist Ausbeutung: Wer den legalen Zugang zu Abtreibungen sperrt, zwingt schwangere Menschen dazu, entweder ihr Leben zu riskieren oder unfreiwillig unbezahlte Care-Arbeit zu leisten. Denn Schwangerschaft, Geburt und Erziehung sind intensive Sorgearbeit. Diese Last tragen nicht nur schwangere Personen selbst, sondern ganze solidarische Netzwerke aus Müttern, Freund:innen und Verbündeten. Anti-Abtreibungspolitik ist der patriarchale Versuch, uns unbezahlte Care-Arbeit aufzuzwingen!

…und ein Angriff auf medizinische Care-Arbeiter:innen und Wissensnetze

Abtreibungsverbote und Repression kriminalisieren nicht nur schwangere Personen, sondern sind auch ein Angriff auf medizinisches Fachpersonal. Ärzt:innen und Pflegende, die weiterhin Gesundheitsversorgung gewährleisten und Abtreibungen durchführen wollen, werden in die Illegalität gedrängt und riskieren ihre Existenz.

Über Jahrzehnte aufgebaute Care-Netzwerke, feministische Praxisformen und lebensrettendes medizinisches Wissen werden von Rechten gezielt angegriffen und zerstört. Wer das Recht auf Abtreibung angreift, greift die Infrastruktur der Sorgearbeit im gesamten Gesundheitssystem an.

Wir rufen auf zum Care Streik 2027!

Ob am eigenen Körper oder im Betrieb – Schluss mit der Ausbeutung unserer Sorgearbeit!

Die Gegendemonstration gegen den Aufmarsch der Abtreibungsgegner ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Care Streik 2027! Wir sehen uns auf der Strasse!

Our bodies, our choice!

Aktuelle Infos zur diesjährigen Mobilisierung finden sich auf Zürich Selbstbestimmt (@zuerich_selbstbestimmt) • Instagram-Fotos und -Videos